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Das Schlackebetonhaus Nöldnerstr. 19

Heute sind noch sechs Häuser in der „Victoriastadt“ erhalten. Die Nöldnerstraße 19 ist wahrscheinlich das älteste, da in diesem „Doppelhaustyp D“ noch mit konventionellen Holzbalkendecken gearbeitet wurde (bei späteren Haustypen wie in der Spittastraße finden sich gewölbte Betonkappendecken). Die Bauweise ist im Inneren des Hauses nach Freilegung der Originalsubstanz erkennbar: die 60 cm hohen Wandabschnitte aus Gussbeton sind an kleinen Absätzen erkennbar, die von der wiederverwendbaren „Kletterschalung“ herrühren. In den Treppenpodesten sind die tragenden Holzbalken auf verlorenen Holzschalungen aufgelegt, Fenster- und Türöffnungen ohne Sturzbewehrungen ausgeführt, der Schlacke-, Natur- und Ziegelsteinanteil in der Betonmischung wird je nach Lage im Wandgefüge variiert. Der Bautypus „D“ in der Nöldnerstraße 19 ist mehrfach überformt worden: In den zwanziger Jahren wird das Dach ausgebaut, das Haus um eine Fensterachse Richtung Osten erweitert, im Parterre die Wohnungstrennwand entfernt und die Fensterteilung verändert. Bis Anfang der 90er Jahre erfolgt die Nutzung als Mietshaus mit Kleinstwohnungen in den Obergeschossen, im Erdgeschoss gibt es eine Eisdiele und das Büro der Autowerkstatt - dann folgen 17 Jahre Leerstand. Nach der umfassenden Renovierung werden die originalen Stiegenhäuser, die kleinen Raumabmessungen, der vormals freistehende Giebel für einen neuen Nutzungsabschnitt erlebbar sein. Das „semidetached house“ (die Doppelhaushälften) erhält eine Terrasse und einen Balkon und eine neue technische Infrastruktur, die Fensternachbauten und die Fassadenfarbe auf Wärmedämmputz orientieren sich am Originalbefund.

s. a. E. Kanow, „Colonie Victoriastadt“, 1981

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