theaterboxring
berlin - lichtenberg

Projektskizze:

Die Kleinbürgerhochzeit

von Bertolt Brecht

Der Brautvater: "Ich dachte immer, wenn man was erzählt, was niemand angeht, wird es besser. Sie vertragen es so schlecht, wenn man sie sich selbst überläßt."

Anschließend an das Projekt "Der Sturm" nach William Shakespeare, das im Spätsommer 2006 in der Victoriastadt stattfand, setzt das Theaterprojekt Boxring seine theatralische Auseinandersetzung mit dem Stadtviertel Kaskelkiez fort.

Diesmal soll es die "Kleinbürgerhochzeit" von Bertolt Brecht sein. Brechts früher Einakter von 1919 zeigt, in teils brachiale Komik gefasst, die Desillusionierung (klein-) bürgerlicher Lebensformen und lässt das hohle Gebilde bürgerlicher Selbstvergewisserung buchstäblich in sich zusammenkrachen. War der "Sturm" Anlass für die Bewohner des Kiezes, die "Landnahme" des ehemaligen Sanierungsgebietes lustvoll theatralisch zu befragen und die neue Eingesessenheit zu thematisieren, wenden wir uns nun dem "Selbstgemachten" zu. (Das kann denn auch ans Eingemachte gehen.) Die Mentalität der Heimwerkerei und des Selbstausbaus - um einen Bezug zu den Dingen herzustellen, die uns umgeben - gehen einher mit allerlei Versuchen, auch die privaten Beziehungen gegen Vereinzelung und Langeweile in durchaus bürgerlichen Formen neu zu stabilisieren. "Das Thema der Kleinbürgerlichkeit ist noch lange nicht anachronistisch."

Die Zuschauer des "Sturms" fanden sich auf Balkonen privater Wohnungen mit Blick auf den Hinterhof wieder. Die "Kleinbürgerhochzeit" wird sich erneut auf die Suche nach einem (halb–) öffentlichen Raum machen. Geplant ist, das Stück als "Suppentheater" zu inszenieren. Das Publikum, das sich hier bewirten lässt, wird voyeuristischer Zeuge einer sich mehr und mehr verselbständigenden "privaten" Feier.

Brechts Text bietet die Vorlage zu einem Ensemblestück, das mehrere Generationen einschließt. Wie schon im Projekt "Der Sturm" werden Bewohner aus dem Kiez aller Altersschichten mit unterschiedlichen Bühnenerfahrungen beteiligt sein.
Erneut soll das Projekt, das im Viertel ansässige Laien und professionelle Bühnenkünstler zusammenbringt, ohne Budget für Honorare gestaltet werden, ebenso soll der Eintritt frei bleiben bzw. auf Spendenbasis Geld gesammelt werden. Die Speisen während der Vorstellungen werden zum Selbstkostenpreis abgegeben. […]

(aus der Konzeptionsbeschreibung)

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